AfD – die deutsche Angstpartei

Es hat eh lange gedauert, bis sich auch in Deutschland eine rechtspopulistische Partei durchsetzen konnte. Doch spätestens seit dem Erfolg bei der Europawahl und dem Einzug in drei ostdeutsche Landtage gibt es auch in Deutschland ein Gegenstück zur Front National in Frankreich, Gert Wilders in den Niederlanden und den rechten Strömungen in England, Österreich und der Schweiz.

Es ist jetzt an der Zeit, anders mit der AfD umzugehen als in ihren Anfängen. Dort wurden sie von der Union ignoriert und von den anderen Parteien verunglimpft. Beides hat nicht geholfen. Stattdessen ist die Alternative für Deutschland gestärkt aus dieser Phase gekommen. Die Nazis in der Partei wurden größtenteils ausgeschlossen und die Ablehnung des Euros ist nicht mehr ihr einziges Thema. Nur ihrer eigentlichen Grundsäule sind sie treu geblieben: Sie spielen mit den Ängsten in der Bevölkerung.


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Dabei bedienen sie die Urängste einer Industrienation um Arbeitsplätze, Wohlstand und Gerechtigkeit. So streift man nun immer wieder die ausländerfeindliche Seite. Es kommt zu fremdenfeindlichen Aussprüchen, zum Thema Gerechtigkeit greift man die EU-Partner deutlich unter der Gürtellinie an. Nur weil unsere Wirtschaft momentan brummt, dürfen wir nie die damit verbundene Verantwortung vergessen. So hat die aktuelle Lage im Süden Europas sicher nichts mit Faulheit zu tun. Der letzte Punkt ist die erzkonservative Wertevorstellung der AfD. Mit aller Gewalt will die Partei an dieser überholten Einstellung festhalten. Sogar die CSU wirkt gegenüber mancher Aussagen liberal. Besonders die Rolle von Frauen und Andersgläubigen in der Gesellschaft wird massiv angegriffen.

All das sind eigentlich Punkte, bei denen man glauben könnte, dass niemand eine solche Partei wählt. Doch spätestens die zweistelligen Ergebnisse im Osten sind Beweis genug, dass wir diese Ängste nicht ignorieren dürfen. Hier sind die gemäßigten Parteien gefordert, den Abgehängten im Volk diese Ängste zu nehmen. Denn weder Kitas, noch Asylanten oder Euro-Hilfspakete kosten diesen Menschen die Arbeitsplätze, es ist viel mehr ihre soziale Herkunft und die fehlende Bildung.

Ich unterstelle hier einfach, dass ein staatsbürgerlich gebildeter Mensch nicht die AfD wählt. Auch den Akademikern in der ersten Reihe der Partei fehlt es hier an Verantwortungsbewusstsein. Eine Professur ist noch lange keine Garantie für nachhaltige Politik. Viel mehr scheint es zu einer Arroganz gegenüber anderer Länder und Völker zu führen und das ist mehr als gefährlich für Deutschland! Also bitte hört auf zu glauben, dass die AfD eine echte Alternative für die Bundesrepublik sei!

Die OECD hat das deutsche Bildungssystem nicht verstanden

Vor kurzem erschien wieder der jährliche OECD Bildungsreport. Und wie jedes Jahr sieht Deutschland darin nicht besonders gut aus. Stattdessen werden allen ernstes die Systeme von Spanien, Frankreich und Italien gelobt – Länder mit einer gigantischen Jugendarbeitslosigkeit. Das liegt vor allem an der geringeren Quote von Hochschulabsolventen in der Bundesrepublik. Schon mehrfach habe ich den Akademisierungswahn, wie die “Zeit” den Trend nennt, angeprangert, doch die OECD hält an ihrem Vorgehen fest.

Statt die Duale Ausbildung in Deutschland als Grund für die geringe Arbeitslosigkeit anzuerkennen, wird sie ignoriert. Wissen die Verfasser der Studie denn nicht, dass eine gesunde Wirtschaft auch viele praktisch ausgebildete Fachkräfte benötigt? In ihrer Sichtweise zählen nur Hochschulabschlüsse: Facharbeiter werden beinahe mit Ungelernten gleich gesetzt! Der Großteil eines Industrieunternehmens besteht aber aus genau diesen Fachkräften! Auch unser Sozialsystem benötigt praktisch ausgebildetes Personal wie AltenpflegerInnen und ErzieherInnen – ein Studium bringt hier für dir wenigsten einen Mehrwert.

Doch auch in Deutschland sinkt die Wertschätzung für eine berufliche Ausbildung. Besonders durch den Ausverkauf des Abiturs in nördlichen Bundesländern sinkt der Wert anderer Schulabschlüsse. Die Realschule wird zum Nachfolger der Hauptschule und der eigentliche Nachfolger – die Mittelschule – wird nur noch von Migranten und extrem leistungsschwachen Schülern besucht. Diese bräuchten eigentlich die Unterstützung einer Sonderschule. Auch in den Städten der Bildungshochburgen Baden-Württemberg und Bayern ist dieser Trend zu beobachten.

All das führt zu einem geringeren Interesse an einer klassischen Ausbildung. Stellen können so nicht mehr besetzt werden und die Mittelschicht zwischen Akademikern und Ungelernten bricht zusammen. Einige Unternehmen befeuern den Trend zum Pflichtabitur auch durch die Vergabe von Ausbildungsstellen einzig an Abiturienten. Viele von diesen Abiturienten wollen keine Jobs die ein Studium erfordern, trotzdem sehen sie sich genötigt eine Hochschulreife zu erlangen.

Ein weiterer Trend sind die vielen Studenten, die einem Job als Führungskraft kaum gewachsen sind. Durch viel Fleiß und Ehrgeiz schaffen sie ihr Studienziel, doch dann sehen wir Lehrer, die nur schwer vor Fremden sprechen können, Ingenieure die mit Druck nicht umgehen können und Absolventen von Sozialwissenschaften, die lieber Sozialarbeiter wären. Warum müssen sie sich trotzdem ein solches Studium antun?

Heftig.co ist auch nur Boulevard im Netz

Heftig.co ist auch nur Boulevard im Netz Immer wieder werden klickstarke Seiten wie heftig.co, Huffington Post und Co. kontrovers diskutiert. Während die Zeitungen sie verteufeln, beneiden sie die meisten anderen Websites und suchen nach dem Geheimrezept. Es ist ganz klar, dass ihre Inhalte keinen Mehrwert bieten, die Überschriften irreführend sind und Meldungen aufgepusht werden. Aber das ganze kennen wir doch auch von der Bild Zeitung. Die Zeitung mit der größten Auflage in ganz Europa, die hohen Klickzahlen sind also kein Teufelswerk, sondern befriedigen einfach die Sensationsgeilheit der Bevölkerung.

Bei den Regenblättern hat man sich damit abgefunden, die Qualitätszeitungen konzentrieren auf das, was sie können: Gute Berichterstattung ohne mit aller Gewalt Leser zu gewinnen. Bei den Internetauftritten der überregionalen Zeitungen sieht es da schon ganz anders aus. Immer öfter lässt sich zum Beispiel Spiegel Online zu Boulevard hinreißen. Was in der gedruckten Ausgabe undenkbar ist, wird online in den sozialen Netzwerken beworben.

In der Arte Reportage hat die Agentur für digitale Leseforschung “chartbeat” geraten:
“Seid nicht so fixiert auf die Klicks, das bringt viel Leid in die Branche. Die meisten Klicks haben immer die billigsten Inhalte und provokantesten Schlagzeilen. Achtet darauf, zu welchen Inhalten die Leute zurückkehren, nur mit Geschichten auf hohem Niveau gewinnt ihr eine treue Leserschaft.”

Ein Zitat hinter das ich nur unterschreiben kann. Statt heftig.co nachzueifern sollten sich nicht nur Nachrichtenportale, sondern auch Blogs lieber auf ihre Inhalte konzentrieren. Kurzfristig werdet ihr nicht annähernd die Klickzahlen erreichen, aber langfristig bekommt man eine treue Leserschaft. Diese Leserschaft ist dann auch bereit für Inhalte zu bezahlen und so die Redaktionen zu bezahlen.

Weiter baut man dann eine Marke auf. Ein extrem wichtiger Punkt in der Zukunft des Onlinejournalismus. Natürlich ist auch heftig.co eine Marke. Eine Marke wie Bild oder RTL2. Netzpolitik hat viel weniger Besucher und ist dennoch eine stärkere Marke. Wer sich von den renommierten Medienhäusern durchsetzen wird ist noch nicht klar. SpOn und Focus Online versuchen es mit einer Boulevard Version ihrer Zeitschriften, Zeit Online, FAZ und SZ stellen größtenteils einfach ihre Texte online.
Dennoch sind Schritte in die richtige Richtung zu erkennen, so versucht z. B. die SZ die Inhalte ihrer Themenwochen online abstimmen zu lassen. Nur durch so innovative Konzepte kann man sich auch in Zukunft gegen neue starke Marken wie die Krautreporter durchsetzen

Bitte entschuldigt die wenigen Artikel im Moment. Aus arbeitstechnischen Gründen komme ich momentan nicht wirklich dazu.

Bis bald!

Valencia – Spanientrip Teil 2

Nach Madrid haben wir noch 5 Tage in der Küstenstadt Valencia eingeplant. Unsere Ankunft verlief leider nicht ganz planmäßig, weil der angefahrene Bahnhof doch weiter weg war als gedacht. Nach einem unfreiwillig langem Fußmarsch bei knapp 35℃ und mit dem Gepäck für 10 Tage erfuhren wir, dass unser Appartement noch nicht fertig ist. Aus diesem Grund gaben wir unsere Koffer ab und nahmen nur Badezeug und einen Stadtplan mit. Nach einer kurzen Tour durch den Mercado Central – eine riesige Markthalle, die vor der Siesta frische Lebensmittel aus der Region anbietet – ging es direkt zum Strand. Von der Innenstadt aus fährt man mit der Metro eine knappe halbe Stunde bis zum Stadtstrand. Den kann man jetzt schwer bewerten, wer einen kennt, kennt alle. Egal ob Jesolo oder Valencia. Spaß macht es trotzdem.


Der Strand wird direkt von der Metro angefahren

Nun konnten wir endlich – gut durchgeschwitzt und mit salzigen Haaren – in unsere Wohnung. Und die war der Hammer. Für 75 Euro die Nacht hatten wir 130qm mitten in Valencia mit einem genialen Rundumausblick aus dem 7. Stock. Dort war es natürlich entsprechend laut, die moderne Einrichtung und die Möglichkeit sandige Handtücher zu waschen entschädigt aber für vieles.

Die Sehenswürdigkeiten liegen ähnlich wie in Madrid alle in unmittelbarer Nähe zum Zentrum. Wer durch die Altstadt schlendert, sieht eigentlich alles von Valencia. Den Besuch auf der bekannten Miguelette kann man sich im Hochsommer eigentlich sparen. Für 2 Euro geht man eine enge Wendeltreppe hoch und hat dann den wohl besten Ausblick der Stadt. Doch der beste Ausblick hilft bei einer (von oben) hässlichen Stadt nur wenig. Wegen der kurzen Öffnungszeiten kann man dort im Sommer den Sonnenuntergang leider nicht anschauen.

Den Park im ausgetrockneten Flussbett nördlich des Zentrums kann man, wie gefühlt halb Valencia, zum Joggen oder Radfahren nutzen. Über eben jenen Park geht es dann auch in die Stadt der Wissenschaft und Künste. Eine irre Anlage bestehend aus mehreren Museen und der gigantischen Oper von Valencia. Wir haben nur das Wissenschaftsmuseum angeschaut. Eigentlich für Kinder und Familien ausgelegt, gibt es auch interessierten Erwachsenen die Möglichkeit viele Naturgesetze und Grundlagen der Anatomie des Menschen zu erfühlen und zu testen. So kann man seine maximale Sprunghöhe genauso wie das Körperfett messen. Ein tolles Museum vergleichbar mit dem Haus der Natur in Salzburg.


Das “Hemisféric” und dahinter die Oper

Auf dem Rückweg vom Museum ging es dann durch L’Eixample, ein angebliches Nobelviertel, dass aber vor allem mit schönen kleinen Restaurants aufwarten konnte. Abends, oder besser Nachts, gingen wir dann in die günstigen Kneipen im Universitätsviertel. Diese hauptsächlich von Einheimischen besuchten Bars füllen sich erst gegen 0 Uhr, wenn man mit dem Abendessen fertig ist. Dementsprechend spät ging es dann auch in den Club Las Animas de Puerto am Strand. Wir blechten um 3 Uhr die 15 Euro Eintritt zu denen es wenigstens ein Freigetränk gab. Um 5 Uhr waren wir dann allerdings so müde, dass wir als gefühlt die Ersten ins Bett gingen.

Ein letztes besonderes Highlight war der Hafen. Extra für den America’s Cup (die bekannteste Segelregatta der Welt) ausgebaut, reiht sich eine Yacht an die Nächste. Leider lassen die Spanier die erst 2007 gebauten Hallen der verschiedenen Teams schon wieder verfallen. Die Ersten werden bereits zurückgebaut, andere verfallen komplett. Es ist wirklich traurig mit anzusehen.

Insgesamt erschien mir Valencia in den 5 Tagen wie eine Stadt im Umbruch. Sie will eine Reisemetropole wie Barcelona werden und sich gleichzeitig nicht mit aller Kraft verändern. Besonders ein paar hundert Meter vom Strand entfernt fallen dann auch die sozialen Schnittstellen auf. Die reichere Bevölkerung und die Touristen leben in der Stadt und fahren mit Metro oder Auto an den Strand und dazwischen herrscht Armut. Wenn man auf eine Stufe mit Barcelona kommen will, muss man nach dem modernen U-Bahn-Netz und den schönen Hotels und Restaurants in der Innenstadt erst einmal dieser Bevölkerungsschicht helfen, denn diese Armut passt nicht zur sündhaft teuren restlichen Uferpromenade.