Archive | Februar, 2010

Islands Gesetzentwurf – eine Chance für den Journalismus

Island und Wikileaks, das ist die Liebesgeschichte der Finanzkrise. Dank dem „Geheimnissflüsterer“-Netzwerk wurde nämlich in dem EU-Land ein nie dar gewesener Skandal aufgedeckt. Isländische Bänker haben durch nicht für möglich gehaltenes Kalkül ihr eigenes Land an den Rand des Staatsbankrott gebracht. Weil ein Beitrag über diesen Skandal nicht gezeigt werden durfte wurde in den isländischen Nachrichten minutenlang eine URL gezeigt:

www.wikileaks.org

Seitdem ist das ganze Land begeistert von investigativen Journalismus, ja es scheint sich sogar verpflichtet diesen gesetzlich zu schützen. In Kürze wird entschieden ob ein Gesetzentwurf dafür durch kommt – die Chancen stehen gut. Der Gesetzesvorschlag ist eine Mischung aus den Schutzparagraphen für Quellen im Schwedischen Recht und Pressefreiheitsregelungen aus der ganzen Welt.


Vorreiterrolle des Nordischen Landes

International hilft diese Regelung dem investigativen Journalismus weltweit genauso wie die Finanzregelungen in der Schweiz den Bänkern. Das funktioniert mit Servern auf Island. Wieviel das Ganze dann wirklich bedeutet, auch für Blogger – besonders in Ländern mit ungenügender Pressefreiheit.

Kritik kommt dabei vor allem von Lobbyisten – die natürlichen Feinde der Quellen. Daneben melden manche Zweifel an, weil sie befürchten die neue Pressefreiheit könnte Lügner schützen. Diese Leute sind scheinbar dazu berufen an jeder Idee einen Nachteil zu finden. Man sollte jedoch wissen, das alles Gute Nachteile hat.

So ist der Vorschlag der IMMI (Icelandic Modern Media Initiative) eine Möglichkeit für den Jounalismus – der Königsweg ist es aber nicht. Dafür müsste es weltweit eine UN-Charta zum besseren Schutz der Medien geben.

Hilfe beim Starten eines Weblogs

Es ist eigentlich schon komisch, dass ich mir anmaße, anderen beim Beginn der Blogger-Laufbahn unter die Arme greifen zu können. Dennoch will ich es versuchen.

Die Blogsoftware:
Dafür muss man wissen, wie tief man in Programmier- und Servertechnische Materie einsteigen will. Für Minimalisten empfehle ich wordpress.com – womit man ein System wie Blogger.com hat. Es sind keinerlei Downloads nötig, es kann fast alles, was das Software “wordpress” kann und es ist vollkommen kostenlos. Wer aber Extras wie eine eigene Domain – anstatt www.domain.wordpress.com – haben will, zahlt natürlich schon.

Wem die Installation nicht zu aufwendig ist, oder wer – wie ich – nach wordpress.com aus den vollen Schöpfen will, empfehle ich die kostenlose Software “wordpress“. Mit extrem viel Design-Themes und PlugIns hat man bei diesem Open Source Programm unglaublich viele Möglichkeiten.


WordPress – das Maß aller Dinge bei der Blogsoftware

Dazu braucht ihr noch einen Server, hier will ich keinen Anbieter besonders hervorheben – ich selbst bin bei goneo (mit allen Vor- und Nachteilen). Wenn die Domain im Packet nicht enthalten ist, dann ist United-Domains das Beste. So gibt es immer wieder Angebote, bei denen es eine .de Domain für 1€ im Jahr gibt.

Fertig? Dann geht es jetzt erst richtig los. Zuerst passt ihr das Design noch individuell an -> Header und Seitenleisten. Ein Impressum (voller Name und Kontaktmöglichkeit des Verfassers) sollte auch sofort erstellt werden.

Sind auch diese Formalitäten aus der Welt geschafft, könnt ihr mit dem Schreiben beginnen. Ideal ist es, wenn ihr schon ein paar habt und das erste Dutzend sofort hochladen könnt. Wenn genug Artikel online sind, dann meldet die Seite bei google an. Hier noch ein paar Tipps für mehr Besucher.

Das Wichtigste aber ist, ihr habt Spaß am Bloggen und könnt das auch vermitteln.

Arbeitslose sollen arbeiten

Erst vor kurzem habe ich geschrieben, was ich als Sozialhilfe für angemessen halte.  Doch das Thema beschäftigt mich immer noch, so habe ich gestern gelesen, dass in den Niederlanden jetzt Arbeitslose Jobs annehmen müssen. Ein Vorschlag, der in Deutschland wohl auf extreme Kritik stoßen würde – evtl. zwegs der Vergangenheit (es würden Anspielungen wie “Arbeit macht frei” die Runde machen). Ich finde den Vorschlag dennoch gut und möchte mich kurz darüber auslassen.


Bedingungen, die auch nur an das 3. Reich erinnern ,darf es niemals bei einer Arbeitspflicht geben

Die Sozialdemokraten in Holland haben den Vorschlag gemacht – Arbeitslose müssen arbeiten, wenn sie können, sonst gibt es schmerzhafte Einbußen in den Staatsleistungen. Für die nicht vermittelbaren Fälle gibt es ein Aufbautraining, das sie schrittweise wieder an einen vollen Arbeitstag heranführen soll.

Die Liberalen-Wähler werden mir jetzt Westerwelles  Worte – Arbeitslose sollen Schnee räumen – an den Kopf werfen. Mit dem Vorschlag habe ich allerdings ein Problem, in Holland sollen die Arbeitslosen zum Beispiel Tüten packen – damit haben sie eine Perspektive. Mit dem Schneeräumen hat niemand eine Perspektive.

Perspektive ist insgesamt der beste Grund für diese Arbeitspflicht. Auch Sozialhilfeempfänger sollten sich nicht aufgeben – und wenn sie arbeiten müssen, dann kommen sie nicht aus  dem Alltag heraus. Das ist auch vom psychologischen Effekt vorteilhaft – denn so wird/fühlt man sich nicht sozial ausgegrenzt.

Eher sekundär ist der Wachstum an Serviceleistungen: Der Tankwart könnte wieder eingeführt werden, die Taschen werden im Supermarkt gepackt usw. Wichtig wäre dabei sicher auch, dass man die Sozialhilfeempfänger als normale Dienstleistungskräfte akzeptiert.

Schade, Frau Käßmann

Ich bin katholisch, nicht erzkatholisch, nicht aus vollkomener Überzeugung – mehr aus Faulheit. Das ist ein bisschen sarkastisch, weil meine Vorfahren Hugenotten waren – also aus Frankreich von Katholiken vertrieben wurden, weil sie evangelisch waren. Ihr seht schon, ich kümmere mich recht wenig um den Unterschied zwischen den Konfessionen, deshalb kann ich auch ohne Zurückhaltung behaupten: Ich finde Frau Käßmann gut!

Die 41-Jährige wurde 2009 als erste Frau die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland. Kritik ist sie seitdem gewohnt, diese begann schon mit ihrer Wahl. So wurde ihr das Leben in Scheidung vorgeworfen – bei den aktuellen Scheidungszahlen schon ein eigentümlicher Vorwurf.

Noch komischer war, dass sie negative Beurteilungen für ihre Ablehnung gegenüber dem militärischen Einsatz in Afghanistan. Zwar rufen auch der Papst und katholische Bischöfe immer wieder zu Weltfrieden und co. auf – eine so klare Ablehnung gegen den militärischen Afghanistan-Mandat gab es aber noch nicht und nur klare Worte können etwas bewirken.

Ihr seht schon, ich halte viel von Frau Käßmann, auch wenn ihre alkoholisierte Autofahrt natürlich falsch war und andere gefährdet hat. Eine Abneigung habe ich jedoch gegen solche Rücktritte. Vorbildfunktion hin oder her, man kann sich selbst auch einmal verzeihen.

Frau Käßmann ist eine sehr intelligente Frau, schade, dass sie so streng mit sich war. Eine solche Persönlichkeit war eine echte Chance für die deutsche Kirche. Dennoch wünsche ich ihr weiterhin viel Erfolg und dass sie nicht zurückhaltender wird.

Was bedeutet eigentlich: Chatroulette

Ein Internettrend, über den man zum ersten Mal im Fernsehen hört, ist ziemlich selten – bei chatroulette war es aber so. Die Plattform wurde im November 2009 von einem 17-Jährigen Russen gestartet und geistert seitdem durch die Medien. Das Prinzip ist schnell erklärt: Man geht auf die Seite , schaut noch schnell, ob die Webcam funktioniert, und klickt dann auf “play”. Sofort wird man mit irgendjemand auf der Welt verbunden und sieht sein Webcam-Bild, gefällt das Gesehene nicht, kann man mit “next” zu einem anderen Chatpartner wechseln – meist sind über 20000 online.

Soviel zur Theorie, die Praxis aber ist viel brutaler. Wenn man sich einklinkt und mit der Webcam ganz normal sein Gesicht zeigt, wird man zuerst einmal mindestens 50 Mal von gelangweilt blickenden Männer(gruppen), ornanierenden Perversen und Schildern mit “I wanna see Boobs” weggeklickt. Ihr seht schon, für Kinder und nicht internetabgehärtete User ist das Ganze nichts.

Wer dennoch dabei bleibt, der trifft irgendwann Leute aus der ganzen Welt und kann sich mit ihnen austauschen. Mädchen findet man grundsätzlich deutlich weniger als Jungen, wenn man dann doch welche findet, kann man sie in 2 Gruppen aufteilen: Die einen bleiben da (der Anteil ist viel größer als bei männlichen Usern) und die anderen wollte Genitalien o.ä. sehen – in manchen Fällen nackt.

Wen das alles immer noch nicht abgeschreckt hat, dem kann ich jetzt von meinen guten Erfahrungen erzählen. Ich habe einen italienischen Maler getroffen, der mir seine Kunst gezeigt hat, zwei Jungs aus Australien, mit denen ich über das Wetter geredet hat, ein Mädchen aus New York, von dem ich mehr begeistert war, als sie von mir, zwei Typen aus Istanbul, die mir erklärten, wo ich im Urlaub hinfahren sollte, eine junge Frau aus Litauen, der ich zu jung war – was auch immer sie wollte, eine Asiatin aus Singapur, einen jungen Mann aus Holland und last but not least 3 hübsche Brasilianerinnen die Küsse von mir wollten – was schwierig war, weil meine ganze Familie mir zusah.

Das war die wohl längste Aufzählung ever auf Jostykowsbest! Mit den hübschen Mädchen aus Rio habe ich dann auch den Skype-Namen ausgetauscht, um in Kontakt zu bleiben. Denn das geht bei Chatroulette nicht – man wird wohl nie zweimal mit dem selben chatten.

Wenn jemand sich traut und ein bisschen Geduld mitbringt, dann kann man mit netten Leuten auf der ganzen Welt chatten. Das hat mich zu der Idee gebracht, eine neue Jostyknowsbest-Reihe zu starten. Interviews all over the world – sobald ich mir ein paar Fragen ausgedacht habe, werde ich die mir zugeschickten e-mail-Adressen einmal vollspamen.