Die Schande von Durban
Die Messehalle wird bereits geräumt, tiefe Augenringe schmücken die in Businessgrau gekleideten Poltiker und immer neue Rekordverhandlungszeiten werden bekannt gegeben. Das Ziel von höchstens 2°C Erderwärmung scheint Allen in seiner Wichtigkeit bewusst. Diese Bilder wurden uns von dem Klimagipfel in Durban (Südafrika) präsentiert. Damit haben uns die Medien erfolgreich suggeriert, wie ernst es den internationalen Umweltpolitikern ist.
Nun sind die Ergebnisse veröffentlich und es wird klar, wie wenig die internationale Gemeinschaft erreicht hat. Zahlen sollen erst bis 2015 festgelegt werden und dann ab 2020 bindend sein – eine Schande ,wenn man überlegt, wie wichtig ein unmittelbares und entschlossenes Handeln gewesen wäre. Nach einem Einlenken Chinas hat Indien deutlich gezeigt, dass es den selben egoistischen Weg des Reichs der Mitte anstrebt.

Ein Löwe aus 2000 Kindern in Durban – Quelle
Nun gibt es mittlerweile 4 verschiedene Lager in der Klimafrage. Die Europäer und Vertreter etlicher kleineren Staaten – speziell die schwer getroffenen Inselstaaten – wollen am ehesten die nötige Schritte gehen. Entwicklungsländer stellen die zweite Gruppe dar, meist leiden sie ebenfalls extrem unter dem Klimawandel und streben deshalb eine CO2-Reduzierung an. Doch gleichzeitig erwarten sie dafür die Unterstützung der Industriestaaten, die schließlich auch viel mehr Treibhausgase emitieren. Bei diesen Ländern gibt es noch die Chance einer fast vollkommen grünen Industriealisierung.
Schwieriger wird es mit der dritten Verhandlungsgruppe, den USA. Auch wenn unter der Regierung Obama die ersten wichtigen Akzente gesetzt wurden, haben die Staaten in Durban wieder klar gemacht: Die amerikanische Gesellschaft lebt unter dem Motto “Nach uns die Sinnflut”. Als die vehementesten Blockierer in Südafrika haben sich aber einmal mehr die Schwellenländer präsentiert. Während Südarmerikanische Staaten ein Umdenken signalisierten, stellten sich China und speziell Indien quer. Damit sind der größte CO2-Produzent und das Land mit den höchsten Zuwachsraten die Hauptgegner eines notwendigen Klimapakts.
Die Gründe dafür sind so vielfältig wie unverständlich. In erster Linie sehen die Staatschefs ein historisches Recht auf die selbe Industrialisierung, wie die westlichen Staaten sie durchlaufen haben. Wegen der in der Politik beliebten Kurzsichtigkeit wollen sowohl China als auch Indien und Brasilien den exakt selben Weg wie die heutigen Industriestaaten zur Moderne gehen, anstatt die überflüssige Etappe der fossilen Brennstoffe gänzlich zu überspringen.
Dass ein solcher Entwicklungssprung möglich ist, beweist der Internetausbau in Afrika. Statt den Kontinent wie in Europa mit Glasfaserkabeln zu durchziehen, wird gleich auf das mobile Internet gesetzt. Der erste Schritt zum WWW für die breite Masse wurde also übersprungen, anstatt ihn mit aller Gewalt durchzuboxen.
Eine vergleichbare sprunghafte Entwicklung bei der Energiewirtschaft ist die einzige Chance trotz des Vesagens in Durban das Klimaziel von 2°C noch zu erreichen.



