Wenn Bildung privatisiert wird
Momentan wird viel von einem Niedergang des Mittelstands gesprochen und diese Gesellschaftsgruppe hat Angst. Sie fürchten die hochgespielte Gefahr des sozialen Abstiegs – obwohl davon nur sehr wenige betroffen sind, herrscht große Verunsicherung wegen nicht aufhörender Meldungen über jenen Niedergang.
Besonders die junge Generation hat Angst, nicht mehr die selben gesellschaftliche Stellung wie ihre Eltern erreichen zu können. Wegen dem gestiegenen Bildungsniveau ist der Konkurrenzkampf um gute Stellen härter denn je. Auch die Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb einer Firma sind bei weitem nicht mehr so gut wie früher.

Bildung polarisiert
Das alles führt dazu, dass die Mittelstandsfamilien ihre Sprösslinge von den Gleichaltrigen hervorheben wollen – immer mehr greifen deshalb zu dem Mittel Privatschule. Dieses gute Ansehen von meist teuren Privatschulen ist neben den Studiengebühren der ausschlaggebende Punkt für eine soziale Auslese bei der Bildung.
Reiche Eltern wollen, dass ihre Kinder besser gefördert werden. In einer Arte Reportage hat ein Experte ein sehr passendes Beispiel genannt: Wenn der Anwaltssohn nicht gut genug fürs Gymnasium ist, wird er es trotzdem besuchen – mit viel Nachhilfe und Co. bringt man ihn schon irgendwie durch. Das ist natürlich eine Haltung, die sich ärmere Familien gar nicht leisten können.
Das Alles sind Gründe, warum die Schere in den kommenden Jahren immer weiter auseinandergehen wird. Doch es gibt noch ein weiteres Problem – Deutschland hat mit der Bildung eine einzige Ressource, doch diese wird jetzt immer mehr vernachlässigt. Wenn über Schulbildung und Studium nicht mehr Leistung, sondern das Gehalt der Eltern entscheiden, sinkt natürlich auch das Niveau.
Jetzt, in Zeiten des Aufschwungs, muss die Regierung bei der Bildung richtig viel Geld in die Hand nehmen. Es ist unsere einzige Chance, uns gegen eine wachsende Konkurrenz von gut ausgebildeten Arbeitern in Schwellenländer behaupten zu können.
