Der Stehkragen ist ein Privileg

6 09 2010

Es ist eine Schande! Heutzutage werden doch tatsächlich in Proletenläden wie H&M Poloshirts und gut geschnittene Hemden für nur wenige Euros verkauft. René Lacoste würde sich im Grab umdrehen, weil das Arbeitervolk auch noch die Arroganz besitzt, die Krägen dieser Hemden und Shirts aufzustellen.

Nach – wenn auch zu geringen – Studiengebühren muss die Regierung nun endlich mehr für die Elitebildung tun. Mein Vorschlag ist eine Erhöhung der Gebühren für Hochschulen auf 1000€ pro Monat, damit wir endlich unter uns bleiben. Außerdem könnte man den Stehkragen als offizielles Erkennungszeichen für die Oberschicht nutzen.

Das hätte zur Folge, dass Unsereins seine Vorteile – beispielsweise an der Discotür – auch ohne das Zücken der schwarzen Kreditkarte nutzen könnte. Wir wollen schließlich den Reichtum unserer Eltern wieder zeigen dürfen. Deren Arbeit muss sich für uns wieder lohnen!

Vor Kurzem habe ich bei meiner täglichen Lektüre, der Bildzeitung, gelesen, dass die roten Störenfriede eine Reichensteuer einführen wollen! Da lacht jemand mit meinem Bildungsstand natürlich – wir, die oberen 10´000 – haben unser Geld doch schon lange nicht mehr in der Republik.

Am Ende will ich allen Nichtreichen einen Rat geben: Ihr könnt schon aufsteigen, bis ihr mir den Rolls Royce baut oder fahrt, aber wenn sich noch mehr von euerem Pack traut, sich über die Elite lustig zu machen, ist es gleich vorbei mit dem Demokratie-Ding! Denn eure Armut kotzt mich an!

Das war Ironie ;)



Wenn du das geschafft hast, kannst du das Leben genießen!

24 08 2010

Nach 9 Monaten vollkommener Stille und Entspannung beginnt jedes menschliche Leben mit dem ersten Stress. Eine nervöse Hebame schlägt einem auf den Rücken, ein Weichei, das sich Vater schimpft, freut sich über die gar so schöne Situation und dann wird man in die Arme einer unglaublich verschwitzten Frau gelegt.

Es folgen 6 Jahre als König der Welt, jeder bewundert einen und man lebt nahezu sorgenfrei, weil man das Gesprochene sowieso nicht versteht. Aber kaum kann man lesen und schreiben, hört man das erste Mal: Du musst dich jetzt anstrengen, dann kannst du endlich aufs Gymnasium!

Dieser Satz ändert sich in den folgenden Lebensabschnitten nur geringfügig. Jetzt musst du dich anstrengen, aber wenn du ein gutes Abitur schreibst – dann hast du es geschafft! Im Studium musst du dich anstrengen, denn mit einem guten Hochschulabschluss kannst du endlich in der Arbeit alles tun, um nach oben zu kommen. Dann kannst du das Leben schon fast genießen, jetzt musst du nur noch Geld für die Rente sparen.

In der wohlverdienten Altersruhe kann man dann sein ganzes Geld für ein Altersheim ausgeben und – rückblickend auf ein glückliches Leben – sterben. Finde den Fehler.

Inspiration kam von einer der besten Fernsehwerbungen:



Das Internet-Ding

2 03 2010

Man stelle sich vor, man geht durchs Internet – jeder Link eine Tür zu etwas Neuem.

Meine Wanderung beginnt bei google, zuerst einmal in ein soziales Netzwerk. So gelange ich mit kurzem Umweg nach Kalifornien zu den Servern von Google – wo alle meine Daten gespeichert werden – zu den 800 000 Treffen für “Lokalisten”. Nach Eingabe des Passworts zeigt sich das Netzwerk nicht gerade sozial, keine neuen Nachrichten außer, dass mal wieder ein Kind an Kopfläusen stirbt, wenn ich die Mail nicht weiterleite! Weiß igendjemand, wem solche Nachrichten etwas bringen?

Wenigstens ein PopUp! Woohoo eine gut operierte Blondine (evtl. war es einmal ein Mann) will mit mir kojetieren, einfach weil sie gerade so geil ist. Aus Solidarität für die – natürlich aus meiner Region stammende – Profesionelle, klicke ich auf den Link, Verzeihung, gehe ich durch die Tür koste es, was es wolle! Eine neue Codeansammlung präsentiert sich mir. Ich werde gefragt, ob ich 18 bin und das beantworte ich pflichtbewusst mit “No”.

Leider fliegt der Schwindel auf, wenn mich jemand fragt, was dann passiert – das weiß doch keiner oder? Nach dem Klick auf  “Yes” sehe ich eine Seite so schillernd wie die Gosse bei einer Sonnenfinsterniss.

Es ist aber einfach wie bei einem Unfall, man muss hinschauen. Und so bekomme ich zig alte Weiber in mein Blickfeld, die alle Dinge tun, bei denen ich denke – warum hab ich nicht “No” gedrückt. Was mir trotz dieser Abschreckbilder gegen Geschlechtsverkehr – wie für Zigarettenschachteln geplant – aufgefallen ist, ist das Wort MILF.

Also, Englisch-Deutsch Übersetzung = kein Ergebnis. Also gab ichs bei google ein, da wird der Ex-Stasi-Mann, der die Daten prüft, aber schauen. Es bedeutet nämlich: Mother I´d like to … AH?! Ich brauch was A-Sexuelles und schau mir “Beat it” von Michael Jackson an.

Diesen Tiefpunkt versuche ich durch eine Nachrichtenseite wieder auszugleichen – nach einem Link Türen-Dschungel lande ich auf Bild.de und lese eine Überschrift “Mann beim Weitspucken 8 Meter in die Tiefe gestürzt”.

Ich hoffe, ihr habt jetzt den Glauben an das Gute nicht verloren.



Versuch einer Glosse – Die Dokumentarfilmstimme

7 01 2010

Nach vielen ernsten Texten habe ich nun versucht einen lustigen zu schreiben. Ein einfach anonymer Kommentar, dass ich das lieber lassen soll – oder weitermachen, wäre sehr hilfreich.

Meine Leserschaft besteht, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, aus Bildungsbürgern, ein bisschen Bildungsbürgern und Möchtegern Bildungsbürgern – ich wäre dann letzteres. Naja ihr schaut auf jedenfall alle Dokumentarfilme im Bildungsfernsehen wie ARTE, 3sat oder den N+x Sendern. Deshalb kennt ihr sie, die melodramatisch und gleichzeitig uniteressierte Stimme eines Mannes in einem Alter nach den Midlife-Crises und vor der Rente. Zwischen Interviews und den Moderatoren erklärt er uns – mit seiner tiefen, männlichen Stimme – die Welt. Es sind Informationen, wie dass Computerspiele dumm machen und die Chinesische Mauer in der Mitte mit Sand gefüllt ist, die wir ohne diesen Mann nie erfahren hätten!

Am schönsten sind aber die Reportagen über den tollen neuen Panzer, den Herr Obama für den Frieden einsetzen kann. Die Ami-Generäle werden auf N24 zum Glück noch untertitelt, so dass man die moralischen Kampfmaschinen ihre Kriegsgeschichten mit texanischen Akzent erzählen hört: “Yeah in the tank on the Battlefield, it was so hot….” Dann kommt wieder die geliebte Stimme und erklärt einem, dass der neue Friedensbringer auf 6000 Meter eine Schule ein Gebäude zerstören kann. Ich mag sowas eigentlich nicht anschauen, aber ich muss, weil ich auch Counter Strike spiele und dort meinen Amoklauf trainiere. – Nein, das mache ich natürlich nicht und das ist auch nicht lust, deshalb schaue ich jetzt eine Doku auf N-Tv für Columbine an.

Zurück zum Dokumentarfilmstimmenmann. Ist er ein einzelner Mann der in seinem Keller sitzt und so lange an seiner Stimme arbeitet bis sie ein pubertärer Blogger nicht mehr nachahmen kann, oder doch die Callcenter-Leute der Telekom aus Indien die sich was dazuverdienen wollen?

Wie gesagt: Ich kann mit meiner fantastischen Stimme weder Singen noch die berühmte Dokumentarfilmstimme nachahmen. Über die ich berichte, die ihr aber alle kennt, weil ihr sonst nicht lustig findet und ich mir noch dümmer vorkommen würde als ich es jetzt schon tue. Der Dokumentarfilmstimmenmann würde es dann wohl in einem 28-zeiligen Schachtelsatz so ausdrücken:

Der selbsternannte jugendliche Schreiber stellt während seines verhaspelt und schlecht betont vorgetragenen Beitrag fest, dass er er Reime genauso wie stellen in seinem Text die irgendjemand seiner Zuhöhrer auch nur ein Höflichkeitsschmunzeln entlocken könnten vergessen hat – diese Tatsache führt genauso wie die fehlende Gabe die besprochene Dokummentarfilmstimme auch nur in einem beispiel nachahmen zu können dazu das der junge Mann unkontrolliert transpiriert.


Bis zum letzten Abschnitt konnte ich es noch vertuschen: Der Text ist eigentlich zum vorlesen da und entsprang dem kläglichen Versuch einen Poetry Slam zu schreiben. Nachdem ich den Text meiner Schwester vorgetragen hatte, lächelte sie milde und lies mich wissen, dass es eigentlich eine Glosse ist. =)