In meinem Bekanntenkreis gibt es viele verschiedene Arten, mit dem Internet umzugehen – mein Vater nutzt es beruflich und um ebay nach Segelutensilien zu durchforsten. Meine Mutter hat es zu einem Hobby gemacht, Hotels zu vergleichen und den billigsten Flug zu finden. Noch am weitesten in der Materie ist mein Onkel, der mit seinem Iphone meist online ist und auch zum Beispiel Napster nutzt, doch um eins machen alle einen großen Bogen: Facebook.
Es ist erstaunlich, welche Ängste nur die Generation über uns mit diesem Social Network verbindet. Es ist ihnen vergleichbar suspekt, wie die explodierende Zahl an SMS. Außerdem geben viele die Befürchtung an, Angst vor einer totalen Öffentlichkeit des Privatlebens zu haben. Sie können es sich einfach nicht vorstellen, welchen Nutzen eine öffentlich – wenn auch nur innerhalb des Online-Freundeskreis – publizierte Nachricht bringen soll.
Am einfachsten scheint es, ihnen klar zu machen, dass nur ein sehr beschränkter Teil des Profils für jeden sichtbar ist. Der Großteil kann nur von “Freunden” eingesehen werden und dient ganz einfach als Schaukasten für die eigenen Interessen und Ideen – wir wollen uns darin darstellen! Vergleichbar ist dieses “Darstellen-wollen” zum Beispiel mit Kleidung in einem bestimmten Stil – das dürfte auch anderen Generationen ein Begriff sein.
Wir wissen selbstverständlich auch, dass man mit Google und weniger legalen Mitteln relativ leicht an diese Daten kommt, doch unserer Generation ist die Angst davor genommen worden. Wir müssen nicht geheim halten, dass uns ein bestimmtes Lied gefällt, politische Entscheidungen ärgern oder dass wir mit “Max Mustermann” befreundet sind.
Doch zurück zu den vorhin erwähnten Statusmeldungen. Diese ermöglichen uns, auf einen Schlag mit allen Freunden Kontakt aufzunehmen, wir können unsere Abendplanung, genauso wie Musik- und Leseempfehlungen publizieren. Gleichzeitig bekommen wir gezielt von Menschen, die wir mögen, Empfehlungen und Informationen. Dabei ist natürlich auch Nonsense vorhanden, doch die Chance, dass ein Freund ein Lied postet, das mir gefällt, ist weitaus höher, als wenn ich auf neutrale Plattformen zurückgreife.

Der Begriff “privat” wird neu definiert Quelle
Der Chat ist der neue persönliche Weg zur direkten Kommunikation. Bei den unter 30 Jährigen hat er die E-mail schon gänzlich in der privaten Konversation ersetzt. Das Internet Relikt wird nur noch in förmlichen Fällen oder in Notfällen verwendet. Heute eine E-Mail an einen Freund zu schicken ist so, wie wenn man vor 30 Jahren jemanden einen Brief schickte anstatt anzurufen – viel zu langsam! Telefonieren ist ein gutes Stichwort: “Ihr schreibt nur noch in Facebook und telefoniert gar nicht mehr!” Ist ein häufiger Vorwurf unserer Elterngeneration. Dabei beherrscht sie auch die Angst vor ständiger Kommunikation und Erreichbarkeit. Das Gegenteil ist aber der Fall, während ich bei Anrufen ständig erreichbar bin, kann ich Mails erst einmal Mails sein lassen und muss erst später antworten.
Kulturpessimisten sehen dann wahrscheinlich einen Verfall der Sprache, doch seien wir uns ehrlich, so viel wie heute wurde noch nie geschrieben und frei sprechen kann meine Generation besser als jede zuvor – so die Lehrer und Professoren. Nun verändert Facebook also unsere Kommunikation so grundlegend, wie es schon das Telefon getan hat. Anstatt, wie oft geschimpft, wird sie besser und nicht schlechter! Mit Facebook rückt die Welt ein bisschen näher zusammen und das tut uns allen gut!