Weltweite Proteste deuten einen Wandel der Politik an
Occupy Wall Street – Besetzt die Wall Street – sagt es schon: Der zentrale Punkt der Proteste ist eine Kritik an dem Finanzsystem. Doch im Grunde liegt der Ursprung der Bewegung in Spanien, wo unter dem Motto “Echte Demokratie jetzt” Hunderttausende auf die Straße gingen und Plätze nach der Vorbild des Tahir-Platzes (Ägypten) besetzten.

Jeder darf reden, jeder hört zu – eine neue Art des Protests Quelle
Dem Beispiel der Spanier folgten Demonstranten in weiten Teilen der westlichen Welt. Von den USA über Großbritanien und Frankreich bis Israel versammeln sich vor allem junge Leute, um sich für soziale Gerechtigkeit und gegen die Macht der Banken einzusetzen. Die Proteste haben weder einzelne Führungspersonen, noch werden sie von einer Partei oder Gewerkschaft getragen – das macht die Demonstranten schwer einzuschätzen. Vielen Beobachter fällt es dadurch momentan auch schwer, die Ziele der Bewegung zu erkennen.
Aber es gibt wohl nicht ein einziges, bestimmtes Ziel, welches die weltweite Bewegung gemeinsam trägt. Sicher sind Umweltschutz und Einschränkungen für den Finanzmarkt Absichten von allen Demonstranten, doch es sind vor allem regionale Themen, die die Jungen auf die Straße locken.
Fest steht jedoch, dass man das aktuelle Wiederaufleben einer jungen Protestbewegung nicht mit den Wutbürgern rund um Stuttgart 21 und beinahe jede Stromtrasse vergleichen darf. Während es sich bei den Wutbürger getauften “konservativen Egoisten” – so vom SZ-Magazin treffend bezeichnet – hauptsächlich um ältere Semester handelt, sind es bei den momentanten Demonstrationen großteils Junge, die sich für soziale Themen einsetzen.
Der Stern sieht dabei die Folge des Aufrufs “Empört Euch” von Stéphane Hessel. In einem nur 32-Seitigen Manifest fordert der ehemale Resitánce-Kämpfer unsere Generation zu einem Aufbegehren gegen die Misstände in der Gesellschaft auf. Recht hat er – ob Hessel es aber ist, der die momentanten Zuwachsraten bei Demonstrationen verbuchen kann. Will ich doch sehr in Frage stellen. Mir scheint es, als hätten die Netzgeneration endlich verstanden ihre Möglichkeiten zu nutzen. Vor allem in der breiten Masse.


